Menú Cerrar

1981 09 27 Silo, Pabellón de los Deportes, Madrid, Spanien

1981 09 27 Silo, Sports Pavilion, Madrid, Spanien

…Aber es gibt noch einen Punkt, den ich jetzt behandeln muss. Dieser bezieht sich auf die Krisensituation, zu der wir gelangt sind. Wie ist das alles passiert und wer ist schuld daran? Ich werde davon keine konventionelle Analyse machen. Hier wird es weder Wissenschaft noch Statistiken geben. Ich werde es in Bildern vorstellen, die zum Herzen eines jeden gelangen können. Es geschah vor sehr langer Zeit, dass das menschliche Leben auf diesem Planeten blühte. Dann, im Laufe der Jahrtausende, wuchsen die Völker getrennt voneinander auf. Es gab eine Zeit zum Geborenwerden, eine Zeit zum Genießen, eine Zeit zum Leiden und eine Zeit zum Sterben. Individuen und Völker lösten sich im Aufbau ab, bis sie schließlich die Erde erbten und über das Wasser und die Meere herrschten. Sie flogen schneller als der Wind und durchquerten die Berge, und mit Sturmstimmen und Sonnenlichtern zeigten sie ihre Macht. Dann sahen sie aus der Ferne ihren blauen Planeten, den freundlichen, von seinen Wolken behängten Beschützer. Was für eine Energie bewegte alles? Welch machtvollen Motor setzte der Mensch in die Geschichte, wenn es nicht die Rebellion gegen den Tod war? Schon von alters her begleitete der Tod seine Schritte wie ein Schatten. Auch von alters her nahm er vom Menschen Besitz und wollte sein Herz gewinnen. Das, was anfangs dauernder Kampf war, der von den Bedürfnissen des Lebens angetrieben wurde, wurde dann zum Kampf, der von der Angst und vom Verlangen angetrieben wurde. Zwei Wege öffneten sich vor ihm: der Weg des »Ja« und der Weg des »Nein«. Jeder Gedanke, jedes Gefühl und jede Handlung wurden von dem Zweifel zwischen dem »Ja« und dem »Nein« getrübt. Das »Ja« schuf all das, was zur Überwindung des Leidens führte; das »Nein« fügte dem Leiden Schmerz hinzu. Keine Person, keine Beziehung und keine Organisation blieb von ihrem inneren »Ja« und »Nein« verschont. Später verbanden sich die getrennten Völker, und schließlich blieben die Zivilisationen miteinander verbunden. Das »Ja« und das »Nein« aller Sprachen drangen gleichzeitig in die letzten Winkel des Planeten ein. Wie vermag der Mensch seinen Schatten zu besiegen? Etwa indem er vor ihm flieht? Etwa indem er sich ihm in einem chaotischen Kampf entgegenstellt? Wenn der Motor der Geschichte die Rebellion gegen den Tod ist, dann rebelliere jetzt gegen die Enttäuschung und die Rache! Unterlasse es zum ersten Male in der Geschichte, nach Schuldigen zu suchen! Einer nach dem anderen ist verantwortlich für das, was er getan hat, aber niemand trägt die Schuld für das, was geschehen ist. Hoffentlich wird man in diesem universellen Gericht sagen können: »Es gibt keine Schuldigen!«, und dass jedem Menschen die moralische Pflicht auferlegt wird, sich mit seiner eigenen Vergangenheit auszusöhnen. Das beginnt hier und heute in dir, und du wirst die Verantwortung dafür tragen, dass dies in jene weitergeht, die dich umgeben, bis der letzte Winkel dieser Erde erreicht wird…